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Waldschule ist Natur zum Anfassen
Altendiez. „Wir erleben das immer wieder. Insbesondere die jüngeren Kinder kennen Wald und Waldtiere nur aus dem Fernseher. Und dort werden mitunter auch noch ganz falsche Eindrücke vermittelt. Mit diesem Unwissen will die rollende Waldschule aufräumen. Wir vom Hegering wollen den Kindern die Flora und Fauna nahe bringen, wie sie sich tatsächlich darstellt.“
Hegeringleiter Otto Schmidt hatte unweit des Sportplatzes „Lichte Eichen“ zwei Schulklassen mit ihren Erzieherinnen begrüßt, in zwei Gruppen aufgeteilt und auf den vorbereiteten Rundweg geschickt. Im Abstand von 30 Metern waren Tafeln aufgestellt, Tierschädel, Geweihe und andere tierspezifisches Lehrmaterial deponiert. Hier wurde nach und nach Station gemacht, um bei den Jugendlichen nachzuhören, was sie über die abgebildete Wildart wissen, dann die vorhandenen Kenntnisse zu ergänzen und zu vervollständigen. Beim Rothirsch heißt das Jungtier nicht „Bambi“, das Rehwild frisst nicht sondern äst, die männliche Wildsau ist der Keiler und die „Suhle“ ist das Schlammloch, wo sich Wildschweine wälzen, um ihrer Läuse und Zecken im Fell Herr zu werden.
Eine von Otto Schmidt vorbereite „Rupfung“ – der Ort, an dem ein Beutetier vom Raubvogel gerupft und verspeist wird – wurde in Augenschein genommen, die vielfältige Vegetation eines Wasserlochs gezeigt und eine Fegestelle erklärt, an der die Hirsche ihre Schädel reiben, bevor sie die Geweihstangen abwerfen. Hier muss der Forstmann auf der Hut sein, um wertvolle Bäume Schutzzäune oder Gatter errichten, damit das Tier dem Baum nicht den Garaus macht.
An einer anderen Station wartete Revierförster Günter Lenz auf die Jungendlichen, um ihnen Grundsätzliches über Wald, Bäume, Wasserhaushalt und dergleichen nahe zu bringen. Abschluss und Höhepunkt aller Unterweisungen dann am Waldmobil, ein Anhänger mit Kastenaufbau, der aufgeklappt sein Inneres präsentierte. Und da wurden die Augen nochmals rund. Es gab darin nämlich alle Waldtiere und Waldvögel zu sehen, wunderschön präpariert und in lebensechten Positionen. Jetzt galt es Sperber, Bussard, Turmfalke, Schleiereule, Steinund Waldkauz zu bestimmen. Leichter hatten es die Schüler bei der Waldmaus, dem Kaninchen, den Frischlingen und dem Wiesel. Einige Ratespiele vervollständigten die lustige Schulstunde. So galt es, mit verbundenen Augen Fellstücke dem jeweiligen Tier beziehungsweise Rindenstücke der jeweiligen Baumart zuzuordnen.
Dass es die Jagd schon seit der Zeit der Urmenschen, also seit Urzeiten, gibt, wussten die Schüler schon aus dem Unterricht. Damals brauchten die Menschen das Fleisch als Hauptnahrung, die Felle für ihre Kleidung und die Knochen zum Einsatz als Handwerkszeug. Da es heute die so genannten „Beutegreifer“ nicht mehr gibt, greift der Jäger ein, um nicht nur die kranken Tiere auszusortieren, sondern auch den Überbestand regulierend Wild zu bejagen, nicht zuletzt um den heimischen Speisezettel zu bereichern. Natürlich freut sich der Jäger auch über eine schöne Jagdtrophäe. „Wir sind zur Erhaltung eines gesunden und artenreichen Wildbestandes da, arbeiten dabei mit den Forstleuten Hand in Hand“, brachte es Otto Schmidt auf den Punkt.
Wie Volker Hoffmann erläuterte, ist die rollende Waldschule – auch als „Erlebnisschule Wald und Wild“ bezeichnet – ein Kooperationsprojekt des Ministeriums für Umwelt und Forsten und des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. Vor kurzem wurde die Anzahl der vollausgestatteten Anhänger von vier auf sechs im Land erhöht.
Der betreuende Hegering wird in dieser Woche noch zwei Mal in Altendiez, zwei Mal in Holzappel, in Birlenbach, Balduinstein, Lan-genscheid und der Waldorfschule Diez Station machen.
Rund 500 Kinder und Jugendliche werden sich gerne dieser schönen Art der Unterweisung erinnern.(wu)
Quelle: Main-Rheiner
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