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Der Schnupfen hockte auch auf der Bühne

Morgenstern-Festival mit Künstlern aus der gesamten Republik bot kurzweiligen Kulturabend

Von unserem Redakteur

Uwe Dammann



Ottersberg. „Der Schnupfen hockt auf der Terrasse, auf das er sich ein Opfer fasse“, sangen die Mitglieder vom Kleinen Chor Fischerhude voller Inbrunst gereimtes von Christian Morgenstern und niesten am Ende geräuschvoll in die Taschentücher. Das „Opfer“ stand direkt vor ihnen: Ausgerechnet Reinhard Röhrs, Organisator des ersten Morgenstern-Festivals, hatte es erwischt. Bei seiner Moderation hatte er mit einer leichten Erkältung zu kämpfen.

Doch das warf ihn nicht aus der Bahn: Schließlich erfüllte sich der Ottersberger, der selbst seit Jahren mit einem eigenen Morgenstern-Programm durch das Land tourt, mit dem ersten bundesweit organisierten Morgenstern-Festival einen alten Traum. Künstler aus ganz Deutschland, die in Sachen „Morgenstern“ arbeiten, waren nach Ottersberg in die Waldorfschule gekommen, um dort dem 1914 verstorbenen Dichter mit seiner grotesk-philosophischen Lyrik eigener Prägung zu huldigen. Mit Organisator des Ottersberger Festivals war der Verein der Ehemaligen der Rudolf-Steiner- Schule .

Und das vorweg – es war ein zwar langer, (über drei Stunden!) aber dennoch kurzweiliger Abend im voll besetzten Saal. Da machte es auch fast gar nichts, dass einzelne Verse wiederholt wurden. Zumal die Lieder und Gedichte jede Menge verschiedene Interpretationen der Künstler zu ließen. Der „Seufzer “ wurde schon zum „running gag“ und zog sich durch das gesamte Programm. „Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eise....Der Seufzer dacht an ein Maidelein und blieb erglühend stehen. Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein – und er sank – und war nimmer gesehen“, heißt es bei Morgenstern. Die skurrile Melodramatik dieser Szene ließ sich gekonnt von der Hamburger Eurythmistin Ilse Stadler tänzerisch umsetzen oder eben mit Sprache, Schauspiel und Chorgesang darstellen.

Jemanden hervorzuheben aus dem umfangreichen Programm wäre ungerecht: Gut waren sie eigentlich alle – auch die nicht live da sein konnten. Beispielsweise Gert Fröbe, der meisterhaft Morgensterns Windgepräch rezitierte, leider nur noch vom Band. Hans Kemner, jahrelang Fernsehsketchpartner von Rudi Carrell, war live da und bot gemeinsam mit dem Pianisten Jan Christoph die gelungene Kombination aus gesprochenem Text und Klavier. Das Theater XY spielte einen Morgenstern-Sketch, die siebte Klasse der Waldorfschule präsentierte Morgensterns stummen Fischegesang und der Fotograf Heinrich Schieberle eine umfangreiche Diaschau und visualisierte damit vertonte Morgenstern-Texte von Reinhard Röhrs. Riesenbeifall erhielten Rennig Söffker und Thomas Denker, die als Duo „Tertius Gaudens“ den „Droschkengaul“ und andere Texte meisterhaft interpretierten. Eigens nach Ottersberg gekommen war auch Rex Korf, Uhrmacher aus Swisttal bei Bonn. Korf war vom Veranstalter Röhrs eingeladen worden. Er hat bisher

als einziger die spezielle „Korfsche Uhr“ nachgebaut. „Korf erfindet eine Uhr, die mit zwei paar Zeigern kreist und somit nicht nur nach vorwärts, sondern auch nach rückwärts weist“.

Das Morgenstern-Festival und die Korfsche Uhr bewiesen es: Christian Morgenstern ist zeitlos. An Originalität und Sprachstil ist er bis heute kaum zu überbieten.
Quelle: Weser Kurier

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