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Haus Harkorten im Abseits

Hagen. (ko) Das "Haus Harkorten" wird nicht "Europäisches Literaturhaus" des Kommunalverbandes Ruhrgebiet. Oberbürgermeister Wilfried Horn hat den KVR gebeten, diesen Standort im weiteren Auswahlverfahren nicht mehr zu berücksichtigen.

Als Grund für den Rückzug führt der OB an, dass sich die Bedingungen, die ursprünglich Grundlage für die Bewerbung der Stadt Hagen gewesen seien, von Seiten des KVR verändert wurden. Horn: "Jetzt ist beabsichtigt, dass die Standortgemeinde einen Zuschuss für den Betrieb des Literaturhauses von 50 Prozent übernimmt. Bisher war die Rede von 25 Prozent." Für den Betrieb des Literaturhauses seien seinerzeit 800 000 Mark jährlich veranschlagt worden. Der Oberbürgermeister: "Aufgrund der Beschlüsse zur Haushaltsplanberatung und der Vorgaben der Bezirksregierung kann unter diesen veränderten Bedingungen die Bewerbung für das Anwesen Haus Harkorten nicht aufrecht erhalten werden."



Für den Hasper Bezirksvorsteher Jochen Weber stellt der Verzicht auf die Bewerbung durch den Oberbürgermeister "eine Ungeheuerlichkeit" dar. Schließlich sei die Bewerbung aufgrund eines Ratsbeschlusses erfolgt. Folglich könne auch nur der Rat den Verzicht beschließen "und nicht die Verwaltung im Alleingang". Nach Ansicht Webers müsse jetzt auch das Bebauungsplanverfahren für die zum Haus Harkorten gehörenden Flächen gestoppt werden, auf denen Wohnbebauung entstehen und der Neubau der Waldorfschule errichtet werden sollte. "Die geplante Bebauung und die Sicherung von Haus Harkorten stellen ein Gesamtpaket dar." Solange die Zukunft von Haus Harkorten nicht gesichert sei, könne kein Bebauungsplan beschlossen werden.



Tatsächlich besteht zwischen beiden Vorhaben ein Zusammenhang. Das ausgetüftelte Modell zur Rettung des nahezu 250 Jahre alten Hauses, in dem der Industriepionier Friedrich Harkort das Licht der Welt erblickte, sah vor, dass die Stadt Hagen den Harkort´schen Besitz für einen Millionenbetrag vom Eigentümer Eckart Söding von Elsner erwirbt. Von Elsner sieht sich selber nicht in der Lage, die dringend erforderliche Sanierung des einzigartigen Baudenkmals zu finanzieren. Einen Teil der zum Gut gehörenden Flächen wollte die Stadt zum Zwecke der Wohnbebauung und für den Neubau der Rudolf-Steiner-Schule gewinnbringend weiterverkaufen. Das historische Ensemble - zum Haus Harkorten gehören auch ein Kaufmanns-, ein Jungfern- und ein Backhaus - sollte mit dem Erlös des Grundstücksverkaufs in eine Stiftung eingebracht werden, die sich dann um den Erhalt des architektonischen Kleinods kümmern sollte. Kontinuierliche Einnahmen sollte die Stiftung dann durch die Vermietung von Haus Harkorten erzielen - an eine kulturelle Einrichtung wie das "Europäische Literaturhaus".



Oberbürgermeister Horn hob gestern noch einmal hervor, dass ihm Haus Harkorten durchaus am Herzen liege, die jetzigen KVR- Bedingungen aber nicht akzeptabel seien. Im Übrigen stehe die Stadt Hagen weiterhin mit der Landesregierung in Kontakt, Haus Harkorten als Sitz eines Weiterbildungsinstituts zu installieren. Insofern sieht Planungsdezernentin Annekathrin Grehling zurzeit auch keine Veranlassung, das Bebauungsplanverfahren einzukassieren. Allerdings lässt auch sie keinen Zweifel daran, dass Bebauungsplan und Sicherung von Haus Harkorten nur als schlüssiges Gesamtkonzept gesehen werden können.Für die Rettung von Haus Harkorten, ein Architektur-Juwel im bergischen Rokoko, ist es 5 vor 12. Regenwasser läuft schon hinter die Schindeln. Foto/Archiv: Marco Siekmann
Quelle: Westfalenpost

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25. November 2007
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