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Sie lachten und weinten, arbeiteten und trauerten

Dietzenbach Irgendwo zwischen dem Westend und dem Gelände der Waldorfschule muss es gewesen sein: Dort siedelten schon vor Jahrmillionen Menschen auf dem Gebiet, das heute zur Stadt Dietzenbach zählt.

Sie lachten und weinten, arbeiteten und trauerten um ihre Toten. Denn wenn auch die Wissenschaftler noch immer auf Vermutungen und Thesen angewiesen sind, um ein Bild unserer ältesten Vorfahren entstehen zu lassen, ist eines doch klar: Die Existenz der "Frühmenschen" auf Dietzenbacher Gemarkung ist eindeutig nachgewiesen. Die Siedler haben Spuren hinterlassen, die noch heute in der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte des Heimatmuseums zu betrachten sind.



Und nur auf den ersten Blick liegen dort langweilige Steine in den Schaukästen. Beim längeren Betrachten der Exponate entsteht eine Ahnung von Menschen, die, in Felle und Leder gekleidet, mit den Gesteinsbrocken Arbeitsgänge verrichten. Nirgendwo sonst berührt der Hauch der Geschichte den Besucher so stark: Schon in der Zeit von etwa vier Millionen bis 9500 Jahren vor Christus war der Mensch der Altsteinzeit (Paläolithikum) ein selbstständiges Wesen, das in der Lage war, differenziert zu denken, Werkzeuge herzustellen und zielgerichtet zu handeln.



Dass es gerade in Dietzenbach so viele Zeugnisse unserer steinzeitlichen Vorfahren gibt und dass diese so gut dokumentiert sind, ist – da sind sich auch die Fachleute einig – vor allem einem Mann zu verdanken: Werner Raab, seit 1964 Vertrauensmann der Bodendenkmalpflege in der städtischen Gemarkung, ist gepackt von der Faszination frühzeitlichen Lebens. Gemeinsam mit dem ehemaligen Kreisbodendenkmalpfleger Klaus Ulrich und dem Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Frankfurt initiierte er über Jahrzehnte hinweg Grabungen beim "Rödlingsweg" und an der "Russenhütte". Raabs Spürnase führte ihn nicht nur zu etlichen Gräbern, sondern auch zu achtlos im Boden liegenden Werkzeugen aus der Steinzeit. "Dort, wo in Richtung Frankfurt die Autos verschwinden, liegt das Geröll eines alten Flussufers, wo sich die Menschen der Altsteinzeit aus Gesteinsknollen ihr Werkzeug schlugen", schreibt Raab in einem Aufsatz. Weiter schildert er die Dietzenbacher Urmenschen als Angehörige kleiner Familienverbände oder Horden, die, immer von Hunger und Feinden getrieben, die unwirtliche Landschaft durchstreiften.



Tatsächlich war das Dasein der Menschen damals völlig abhängig von der Natur. Als Jäger und Sammler mussten sie sich unter geradezu lebensfeindlichen Bedingungen behaupten. Die Männer machten in Gruppen Jagd auf Großwild wie Mammut, Wollnashorn, Bär und Hirsch. Die Frauen sammelten Kräuter und Beeren. Sie wohnten in Höhlen und unter Felsüberhängen, im Freien schützten sie sich mit Lederzelten oder Hütten aus Ästen.



Und dennoch: Die Vorstellung vom "tierhaften Dasein" des Neandertalers ist völlig falsch. Er war keineswegs ein Primitivmensch, sondern ein hoch entwickelter Hominide. Davon zeugen reich gestaltete Werkzeuge, zum Teil recht geschickt gearbeitet. Indem er mit Hilfe anderer Steine durch Abschlag das Geröll formte, erhielt der Urmensch funktionsgerechte Arbeitsgeräte. Mit der Zeit verfeinerte er die Technik und fertigte neben den Faustkeilen auch Schaber, Kratzer und Klingen.



In der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) von 9500 bis 5500 vor Christus kultivierten unsere Vorfahren sich weiter. Sie machten sich ihre Nahrung haltbar, indem sie Nüsse rösteten und Fisch und Fleisch trockneten. Zum Renner unter den Werkzeugen wurde der Feuerstein. Wegen seiner besonderen Härte war er geeignet, Holz, Knochen, Geweihe und Felle zu Gerätschaften und Kleidung zu verarbeiten. Recht hoch entwickelte Arbeitsgeräte des Mesolithikums sind Mikrolithen, kleine bearbeitete Feuersteine, die in einen Schaft aus Holz, Horn oder Knochen kamen und eine exakte Verrichtung ermöglichten.



Das Heimatmuseum an der Darmstädter Straße öffnet donnerstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter der Rufnummer Tel. 06074 / 4 17 42.


Quelle: Offenbacher Post

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25. November 2007
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