Schule in Bewegung
   

Nachrichten und Presse 

Wie verlorene Seelen im Totenreich

Die Grupo di Euritmia de Sao Paulo macht auf ihrer Europatournee in Altenkessel Station

Altenkessel. Wie Marionetten schleichen sie über die Bühne, in roten, flatternden Umhängen und mit starren Masken. Fließend sind die Bewegungen und doch hölzern - als würden sie von unsichtbarer Hand an unsichtbarem Perlonfaden gesteuert. "Amálgama" heißt das neue Stück der Grupo de Euritmia de Sao Paulo in Brasilien, die bei ihrer Europatournee in der Freien Waldorfschule Saarbrücken in Altenkessel Station machte.



Mindestens ein Mal im Jahr holt die Schule eine Gruppe, die Eurythmie als Kunstform zeigt, auf ihre Bühne: Eurythmie, die Lehre der rhythmischen Bewegungen nach Rudolf Steiner, ist nämlich festes Unterrichtsfach an Waldorfschulen. Deshalb zeigten die Künstler aus Brasilien ihr Stück abends vor rund 300 Zuschauern und morgens vor 950 Schülern, die aus den vier saarländischen Waldorfschulen nach Saarbrücken gekommen waren. Die Grupo di Euritmia de Sao Paulo erarbeitet seit ihrer Gründung 1988 künstlerische Eurythmie in der Gruppe.



Amálgama bedeutet Mischung und so zeigt die Gruppe aus Sao Paulo die Vermischung, die im Laufe der historischen Entwicklung in ihrem Land stattfand: Zu Beginn steht ein indianisches Märchen, das die Wurzeln der brasilianischen Kultur symbolisiert. Fantasievolle Kleidung und fließende Bewegungen verdeutlichen das Miteinander von Natur und Menschen. Um die Vermählung der himmlischen Tochter des Flussgottes mit dem Erdgeist, und auf einer tieferen Ebene um die Polarität von Tag und Nacht, die aber nicht ohne einander auskommen können. Während der Erzähler das Märchen in Worte fasst, scheinen die Figuren über die Bühne zu schweben.



Voller Energie und Mythos



Diese Harmonie, die voller ursprünglicher Energie und Mythos steckt, wird vom zweiten Teil jäh unterbrochen. In Fetzen und Sequenzen wie in einem Bewusstseinsstrom werden Erfahrungen mit den portugiesischen Eroberern in die Bewegungen der Eurythmie umgesetzt. Gier und Macht wüten im Land und in der Seele der Menschen. Blutleer und entkräftet wandelt das sechsköpfige Ensemble umher, in düsteren Umhängen wirken die Künstler wie verlorene Seelen im Totenreich. So manchen Besucher macht bewusste Langsamkeit fast nervös, man ertappt sich dabei, wie man die Stille und Dichte der in Zeitlupe bewegten Menschenbilder nur schwer aufnehmen kann. Anders ist das im dritten Teil von Amálgama: Eine freie musikalische Sequenz von Bewegungsabläufen ruft in Farbigkeit und Rhythmus die Steppe, Wärme und Lebendigkeit Afrikas wach - Elemente der brasilianischen Kultur, die die Sklaverei ins Land brachte. Von der ersten Minute an begeistern die beiden Musiker Jorge Pena, Percussions, und Cláudio Bertalot, Violoncello, mit ihren Klanginterpretationen. Donnergrollen und Buschtrommeln, Rasseln und Zimbeln, zirpen, klappern, blubbern, zischen. Melodisch oder schräg, metallisch oder hölzern, dumpf oder klingend - die Palette der Töne und Geräusche, die beide Musiker aus ihren Instrumenten kitzelten, war fast unglaublich. Kein Wunder, dass nach der einstündigen Vorstellung so mancher Besucher Richtung Percussions eilte, um sich die unterschiedlichsten Trommel-Instrumente aus der Nähe zu betrachten. Davor stand jedoch der vierte Momento - "Möwenflug", ein Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer, diente als Hintergrund für die Vereinigung der vorher erlebten Gegensätze zu einer Einheit. Amálgama eben. KATHRIN WERNO
Quelle: Saarbrücker Zeitung

| Zurück zur Übersicht |

 

   


Platzhalter Platzhalter HomeSchulen der RegionKindergärten der Region20 Fragen zur WaldorfpädagogikNachrichten und PresseTerminkalenderInformationsmaterialGästebuchLinksImpressumKontaktLogin |

Regionale Arbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxembourg e.V., Schulstr. 11, D-66126 Saarbrücken
webmaster@fuers-leben-lernen.de

25. November 2007
Webdesign: NetScript
Platzhalter